Ich war mir eigentlich sicher, dass der „Sauna-Vorfall“ auf Platz 1 meiner peinlichsten Momente des Jahres landet.
Aber da war ich wohl zu voreilig.
Dabei sah heute alles lange nach einem stinknormalen Werktag aus. Kurz vor Dienstschluss hat mich Eric gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einen Happen auf dem Weihnachtsmarkt zu essen.
Genau die richtige Frage – ich hatte nämlich den ganzen Tag nur ein halbes Käsebrötchen verdrückt und sehnte mich nach einem anständigen Abendessen. Und Weihnachtsmarkt ist sowieso immer eine gute Idee.
Also sind wir zusammen losgezogen. Auf dem Markt war die Hölle los, man ist kaum an die Essenstände rangekommen, so ein Andrang war. Um bei dem Gedränge nicht getrennt zu werden, haben wir uns an die Hand genommen.
Keine Ahnung von wem die Initiative ausging. Aber auf einmal haben wir Händchen gehalten – bei der ersten Berührung war es so, als hätte ich einen Mini-Stromschlag bekommen. Seine Hand war angenehm warm.
So haben wir uns zum Raclette-Stand vorgearbeitet, dann weiter zur Glühwein-Bude und schließlich zu den schokolierten Früchten. Immer Hand in Hand – und nach jedem Zwischenstopp dichter beieinander und mit mehr Schmetterlingen im Bauch.
Schließlich sind wir zu dem Teil des Weihnachtsmarkts mit den Fahrgeschäften vorgedrungen. Vor ein paar Jahren ging es mit einem kleinen Karussell los, inzwischen ist da ein richtiges Volksfest draus geworden.
Eric wollte unbedingt ins Riesenrad, weil man da so einen schönen Ausblick auf die Altstadt hat. Ich mache mir sonst gar nichts aus Fahrgeschäften, weil mir beim kleinsten Schaukeln oder Drehen schwindelig wird.
Aber an diesem Abend wäre ich Eric wahrscheinlich auch in die Achterbahn gefolgt.
Zu den Klängen von „Last Christmas“ stiegen wir in die Gondel, immer noch Händchen haltend. Der Kontrolleur gab uns einen – wohl gut gemeinten – kräftigen Spinn mit, dann ging die Fahrt los.
Wir waren alleine in der Gondel und saßen ganz dicht nebeneinander. Ich lehnte meinen Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen, um das sich anbahnende Schwindelgefühl in den Griff zu bekommen.
Dann ging alles ganz schnell: In dem Moment, als Eric sich zu mir herunterbeugte, um mich zu küssen, hatte mich der Schwindel bereits übermannt. Noch bevor sich unsere Lippen trafen, beugte ich mich nach vorn und entleerte meinen Käse-Glühwein-Schoko-Mix auf seine Hose!!!
Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Stattdessen stieg die Gondel weiter empor … und drehte noch zwei Runden, ehe wir endlich aussteigen durften.
Unter tausend Entschuldigungen habe ich ihm ein Taschentuch nach dem anderen gereicht – selber mitwischen ging nicht, da ich zu allem Überfluss auch noch eine ungünstige Stelle getroffen hatte.
Danach war der Abend natürlich gelaufen. Zwar hat er ständig gesagt, dass es nicht schlimm sei und doch jedem passieren könne. Aber mal ehrlich: so was passiert nur mir!
Alexa, spiel „Lonely This Christmas“.

