Oh Mann! Bei Julie habe ich mich ja so was von in die Nesseln gesetzt.
Mein Gespräch mit dem Chef wegen Julie hatte ich längst vergessen – leider hatte ich auch verschwitzt, die Dinge wieder ins rechte Licht zu rücken, nachdem ich mich ja persönlich davon überzeugen konnte, dass bei ihr ganz und gar nichts im Argen liegt – abgesehen vielleicht von ihrem etwas gewöhnungsbedürftigen Weihnachtsspleen.
Selbst als der Chef sie gestern zu sich ins Büro zitiert hat, ist der Groschen bei mir nicht gefallen. Im Gegenteil: Ich war noch allerbester Laune, als meine Mutter auf der Arbeit durchgeklingelt hat: Sie hatte sich wieder einmal ausgesperrt. Ob ich nicht schnell mit dem Ersatzschlüssel vorbeikommen könnte.
Also bin ich losgeflitzt und habe dann später von mir zu Hause aus weitergearbeitet. Im Büro hatte ich eh nicht viel auf die Kette bekommen. Ich musste die ganze Zeit zu Julie schauen und konnte mich null auf meinen Arbeitskram konzentrieren.
Heute herrschte dann absolute Eiszeit an unserem Bürotisch. Sie hat mich komplett links liegen lassen, kein Hallo, kein gar nichts. Anfangs habe ich gar nicht geschnallt, was los ist. Auf meine Frage, ob ich etwas Falsches gesagt habe, hat sie natürlich auch nicht geantwortet.
Den ganzen Tag hat sie stumm vor sich hingearbeitet, hat die Mittagspause ausfallen lassen und dann am Nachmittag zeitig Feierabend gemacht.
Und ich hab mir die ganze Zeit den Kopf zermartert, was bloß los ist.
Als der Chef dann kurz vor Dienstschluss zu einer Kollegin am Nachbartisch gekommen ist, um irgendetwas wegen der morgigen Weihnachtsfeier zu besprechen, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Natürlich: Er hat ihr das berichtet, was ich ihm vor einigen Tagen über Julie gesagt habe. Und Julie hat 1 und 1 zusammengezählt und weiß, dass sie dieses unverhoffte Gespräch mit dem Chef mir zu verdanken hat.
Ich muss das schnellstmöglich wieder geradebiegen. Und ich hab da auch schon eine Idee.
Siri, spiel „Please Forgive Me“ von Bryan Adams.

